Warum sollten Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer Ja zum CO2-Gesetz sagen?

Ist Klimaschutz wirklich zu teuer?

Interview mit  Andreas Edelmann, Mai 2021. Klima-Allianz Schweiz

“Wir wollen unseren Kindern nicht nur ein schönes Haus hinterlassen, sondern auch eine lebenswerte Zukunft”

Energieexperte Andreas Edelmann* erklärt, wie das revidierte CO2-Gesetz künftig auch im Gebäudebereich Emissionen verringern wird und warum Hauseigentümer*innen davon profitieren können.

Warum ist der Gebäudesektor so wichtig beim Klimaschutz?
Der Gebäudebereich spielt eine grosse Rolle im Klimaschutz. Ein Viertel der Schweizer CO2-Emissionen werden durchs Heizen generiert. Wenn man die graue Energie dazu zählt, das heisst, die Emissionen, die beim Erstellen von Gebäuden entstehen, ist die Belastung noch höher. Darum ist die Reduktion hier sehr wirkungsvoll und im CO2-Gesetz entsprechend vorgesehen.

Warum sollten Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer Ja zum CO2-Gesetz sagen?
Als verantwortungsvolle Hauseigentümer*innen können und wollen wir einen Beitrag zu einem besseren Klima und zu einer besseren Umwelt leisten. Was wollen wir unseren Kindern und Enkel*innen hinterlassen? Ein schönes Haus alleine reicht nicht. Es geht darum, dass wir den zukünftigen Generationen eine Welt hinterlassen, die noch lebenswert ist und ein Klima, das verträglich ist.

Wo setzt das revidierte CO2-Gesetz im Gebäudebereich an?
Das Gesetz baut die bestehende Lenkungsabgabe aus. Das heisst, je mehr Heizöl oder Erdgas wir verbrauchen, desto mehr Abgaben fallen an. Zusätzlich sieht das CO2-Gesetz ab 2026 einen Grenzwert für den maximalen Verbrauch vor.  Je nachdem, wie sich die CO2-Emissionen entwickeln, wird der Grenzwert weiter verschärft. Um diesen Wert zu erreichen, muss die Wärmedämmung verbessert werden. Der nächste Schritt ist das Umstellen von einer fossilen Heizung auf erneuerbare Energie.

Wie funktioniert diese Lenkungsabgabe?
Jeder Liter Heizöl, jeder Kubikmeter Erdgas wird mit der CO2-Abgabe belastet. Das Geld ist keine Steuer. Es geht nicht einfach an den Staat, sondern es wird rückvergütet. Ein Teil davon fliesst als Fördergelder in die energetischen Sanierungen und ein Teil geht in den Klimafonds. Aber  der grösste Teil davon wird an die Bevölkerung rückverteilt. Das heisst, alle Personen erhalten über die Krankenkassenprämien eine CO2-Rückvergütung und die Firmen über die AHV-Lohnsummen.

Welche Alternativen gibt es zu den fossilen Heizsystemen?
Eine zeitgemässe Heizung ist eine Wärmepumpe. Diese kann entweder über eine Erdsonde betrieben werden oder über Außenluft, in speziellen Fällen auch über Seewasser oder Grundwasser. Weiter gibt es Holzheizungen, z.B. Holzpellet-Heizungen. Es gibt im urbanen Raum aber auch diverse Fernwärmeangebote, die mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

Müssen gemäss Gesetz ab 2026 alle fossil betriebenen Heizungen ersetzt werden?
Wenn die Heizung noch läuft und keine Probleme macht, kann sie unbeschränkt weiterlaufen. Aber ab 2026 muss bei einem Heizungsersatz automatisch auf erneuerbare Systeme gewechselt werden.

Inwiefern zahlt sich eine energetische Sanierung aus?
Das Gute ist, dass eine energetische Sanierung nicht einfach ein Muss ist, das der Staat auferlegt, sondern es ist eine Verbesserung des Gebäudes. Es macht das Gebäude zeitgemäßer, moderner, besser bewohnbar und komfortabler und steigert den Wert einer Immobilie.

Entstehen so für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer nicht massive Zusatzkosten?
Ein erneuerbares Heizsystem ist bei der Anfangsinvestition teurer, dafür fallen viel weniger Heizkosten an. Die höheren Investition amortisieren sich über die tieferen laufenden Kosten. Im Gesetz ist auch eine Art Härtefallklausel vorgesehen: Wenn aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen oder auch wegen Auflagen des Denkmalschutzes die Maßnahmen nicht umsetzbar sind, darf weiterhin fossil beheizt werden. Zudem ist es vorgesehen, dass aus dem Klimafonds, der neu geschaffen wird, Beiträge an Energiecontracting gesprochen wird.

Was ist Energiecontracting?
Damit wird eine neue Heizung vorfinanziert. Das heisst, der Anbieter baut auf eigene Kosten eine neue Heizung in mein Haus ein. Und ich bezahle dann monatlich die Rechnung für den Energieverbrauch und zahle die neue Heizung über deren Lebenszyklus ab. Die Eigentümerschaft zahlt den gleichen Preis wie vorher, weil die Energie günstiger ist.

Steigen die Mieten durch diese zusätzlichen Investitionen?
Es entsteht eine Win-Win-Situation, weil mit erneuerbaren Heizsystemen die Nebenkosten sinken und die Miete dann entsprechend erhöht werden kann, um das Heizsystem zu amortisieren. Unter dem Strich bleibt die Bruttomiete dieselbe, aber die Umwelt profitiert und damit natürlich wir alle.

Warum setzen wir nicht einfach auf Freiwilligkeit?
Die Erfahrungen der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte zeigt, dass allein auf freiwilliger Basis zu wenig passiert. Natürlich gibt es ganz engagierte Bauherrschaften und auch engagierte Firmen. Es gibt einen Markt für die ganze energetische Sanierung, aber es nützt nichts, wenn nur 10 Prozent ihre energetische Sanierung umsetzen und vorbildlich wohnen und arbeiten. Die grosse Breite des Schweizer Gebäudeparks muss saniert und auf nicht-fossil umgestellt werden. Und dazu braucht es eben nicht nur Motivation und Förderungen, sondern es braucht auf der anderen Seite eben auch einen Schub, eine gesetzliche Grundlage, dass man gar nicht mehr anders kann, als sich in die richtige Richtung zu bewegen.

Kurzbeschreibung:

*Andreas Edelmann ist Energieberater bei edelmann energie ag in Zürich und engagiert sich als Co-Präsident bei Casafair Zürich für verantwortungsvolles Wohnen und Bauen.

als PDF zum Download Interview mit Andreas Edelmann, Energieberater [1]

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